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Bericht
24. Nationalpark Bike-Marathon
Samstag, 30. August 2025

Favorit Andreas Seewald gewinnt Nationalpark Bike-Marathon

Wie erwartet, ist es am Nationalpark Bike-Marathon unter misslichen Wetterbedingungen zum Zweikampf zwischen Europameister Andreas Seewald und dem Vizeschweizermeister Hansueli Stauffer gekommen, den Seewald in der letzten Steigung kurz vor dem Ziel für sich entscheiden konnte. Rekordsieger Urs Huber erreichte das Ziel als Dritter. Bei den Frauen triumphierte überraschend die Churerin Deborah Inauen.

Die instabile Wettersituation mit Schnee bis in tiefere Lagen hat OK-Präsidentin Chantal Mayor keine 24 Stunden vor dem Start dazu bewogen, auf die 110-km-Alternativstrecke auszuweichen (anstatt 141 km über den Chaschaunapass), die mit Wendepunkt in Zuoz im Unterengadin bleibt und auf die ganz hohen Berge verzichtet. Die anhaltenden Regenfälle am Samstagmorgen, kühle Temperaturen, Nebelschwaden und die weiss gepuderten Berggipfel rund um Scuol sollten Mayor Recht geben.

Das Gros der Fahrer begrüsste den Entscheid. Die Streckenänderung hatte auch kaum einen Einfluss auf den Kampf an der Spitze, was einmal mehr belegte, dass nicht die Strecke, sondern die Fahrer das Rennen hart machen. Bis vor S-chanf war eine achtköpfige Spitzengruppe mit allen Favoriten unterwegs, die sich bereits deutlich vom Rest abgesetzt hatte. Mit dabei waren auch die jungen Bündner Fadri Barandun aus Samedan und Janis Baumann aus Igis. Vor allem Rekordsieger Urs Huber zog das Tempo immer wieder an, aber auch Hansueli Stauffer und Andreas Seewald beteiligten sich an der Führungsarbeit.

Vorentscheidung in der Steigung zum Bergpreis

Die Vorentscheidung fiel auf Höhe S-chanf in der Hauptsteigung zum Bergpreis unterhalb der Alp Griatschouls auf 2044 Meter über Meer. Seewald und Stauffer konnte sich absetzen und bauten ihren Vorsprung bis ins Ziel kontinuierlich aus. Dahinter versuchten Janis Baumann und Urs Huber den Rückstand wieder wettzumachen. In der Steigung nach Lavin vermochte sich Huber von Baumann abzusetzen und holte sich den verbleibenden Podestplatz. Selbstkritisch sagte er im Ziel: «In der Steigung zum Bergpreis war ich nicht parat, als sich Seewald und Stauffer absetzten. Danach habe ich mich auf den dritten Platz konzentriert, den ich mir zum Ziel gesetzt hatte.»

«Wettermässig habe ich schon Schlimmeres erlebt. Ich habe mich für Rennverhältnisse sehr dick eingepackt und in den rutschigen Abfahrten besonders aufgepasst, denn ich wollte eine Woche vor der WM nicht stürzen», erklärte Sieger Seewald. Und fügte an, dass er die Alternativstrecke insgesamt sehr cool gefunden habe. Zweimal habe ihn Stauffer bis ans Limit gefordert: Beim Bergpreis und kurz vor dem Ziel.   

Darauf angesprochen, konnte sich Hansueli Stauffer im Ziel ein Lachen nicht verkneifen. «Ich wollte unbedingt den Bergpreis gewinnen – und hab da bereits das erste Mal hauchdünn gegen Seewald verloren. Danach haben wir gemeinsame Sache gemacht, um im Hinblick auf die WM mit möglichst wenig Kraftaufwand den Rest der Strecke zurückzulegen.» Am Schluss habe ihn Seewald dann nochmals geschlagen. Aber wenn sich diese Reihenfolge auch an der WM wiederhole, sei er superhappy, so Stauffer, der insgesamt fünf Kleiderschichten angezogen hatte, um sich nicht zu erkälten.

Janis Baumann erreichte das Ziel als Vierter: «Die Kälte hat mir mit zunehmender Distanz die Energie geraubt. Als Huber nach Lavin angriff, bin ich buchstäblich gestanden.» Der fünftplatzierte Fadri Barandun erreichte das Ziel auch mental leer. Er sagte: «Ich habe letzte Woche meine Grossmutter verloren. Das hat mich heute mehr beschäftigt, als ich zunächst wahrhaben wollte.»

Überraschungssiegerin aus Chur

Bei den Frauen erreichte Deborah Inauen das Ziel als Siegerin und überraschte sich damit selber: «Das habe ich nicht erwartet», sagte die Churerin. Als dann aber ständig das Führungsmotorrad vor ihr herfuhr, habe sie immer mehr an ihren Exploit geglaubt. «Ich habe die Strecke nicht gekannt. Das habe die Sache bis zuletzt spannend gemacht.»

Zufrieden zeigte sich letztlich auch OK-Präsidentin Chantal Mayor: «Keine gravierenden Unfälle und 1411 Starter trotz des misslichen Wetters stimmen mich optimistisch.» Noch etwas anderes hat Mayor sehr gefreut: «Wir hatten schwierige Bedingungen und alle sind zusammengestanden und haben mitgeholfen, damit der Anlass gelingen kann.» Allen voran Claudio Duschletta, der frühere OK-Präsident, der die Alternativstrecke 2020 entworfen hat zusammen mit Janett Caviezel, der selbst gefahren ist und in seiner Kategorie Zweiter wurde, sowie Claudio Daguati und Flurin Bezzola.

Resultate: 
Männer (110 km): 1. Andreas Seewald (De) 4:25:55. 2. Hansueli Stauffer (Sigriswil) 0:04. 3. Urs Huber (Mettmenstetten) 6:05. 4. Janis Baumann (Igis) 10:25. 5. Fadri Barandun (Samedan) 12:48. 6. Daniel Widmer (Mühlrüti) 14:30. 7. Matthias Alberti (De) 15:12. 8. Simon Hellmüller (Winterthur) 19:41. 9. André Kurmann (Willisau) 22:55. 10. Nils Landenberger (Frenkendorf) 23:59.

Frauen (110 km): 1. Deborah Inauen (Chur) 5:57:10. 2. Rahel Blättler (Scuol) 3:41. 3. Claudia Kuratli (Henau) 4:24.