Europameister Andreas Seewald triumphiert an der Eiger Bike Challenge
Mit einer Tempoverschärfung in der letzten Steigung zur kleinen Scheidegg distanziert Europameister Andreas Seewald seinen letzten Begleiter, den Sigriswiler Hansueli Stauffer, und fährt souverän zum Sieg. Dritter wird der Romand Alexandre Balmer. Bei den Frauen ist Anna Weinbeer eine Klasse für sich. Die Baslerin distanziert die zweitplatzierte Vorjahressiegerin Alessia Nay gleich um 33:51 Minuten! Dritte wird die französische Meisterin Margot Moschetti. Schweizer Meisterin Irina Lützelschwab muss wegen eines Kettenrisses aufgeben. Nay wird damit neue Bike Marathon Classics-Leaderin.
Hand in Hand mit Kid Racer Nino Dober aus Sursee, der in der Eltern-Kind-Kategorie das Ziel als Dritter erreichte, überquerte Eigerbike-Sieger Andreas Seewald die Ziellinie in Grindelwald. 4:25:06 Stunden hatte der Europameister aus Deutschland bei brütender Hitze für die anspruchsvollen 80 Offroadkilometer mit 4200 Höhenmetern gebraucht. Mit 2:20 Minuten Rückstand erreichte Bike Marathon Classics-Leader Hansueli Stauffer das Ziel als Zweiter vor dem Romand Alexandre Balmer.
Wie in den Vorjahren hat erst die letzte Steigung zur Kleinen Scheidegg die Entscheidung gebracht. Seewald hat mit seiner Tempoverschärfung die Spitzengruppe zerlegt. Zuerst musste Vorjahressieger Martin Fanger abreissen lassen, dann der in Gunten wohnende Belgier Frans Claes. Schliesslich erwischte es auch Alexandre Balmer, im Vorjahr noch Bikemarathon-Schweizermeister. Einzig Hansueli Stauffer vermochte sich unter Aufbietung der letzten Kräfte nochmals heranzukämpfen. Doch dann forcierte Seewald abermals und zog davon.
Sieg nach Plan
Also ein Sieg nach Plan? «Kann man so sagen», entgegnete Seewald. «Ich hatte vor, erst an der letzten Steigung zu forcieren und bis dahin möglichst kraftschonend zu fahren. Weil nächstes Wochenende ist deutsche Meisterschaft.» Die erste Rennhälfte sei unrhythmisch gefahren worden aber nicht besonders schnell. Die Abfahrten seien fahrtechnisch recht anspruchsvoll gewesen, da habe er sein vollgefedertes Bike vermisst. In der Schlusssteigung aber habe sich das Hardtail (ohne Hinterradfederung) als die richtige Wahl herausgestellt, erklärte Seewald. Hansueli Stauffer habe sich als harter Gegner herausgestellt. «Er ist schlau gefahren, hat sich nicht von meinen Tempoverschärfungen aus dem Tritt bringen lassen und ist einfach seine Pace gefahren», meinte Seewald. Er sei froh gewesen, dass er ihn noch rechtzeitig habe distanzieren können, denn in der Schlussabfahrt sei Stauffer durch seine bessere Streckenkenntnis im Vorteil gewesen.
«Ich wollte gewinnen, aber Andreas Seewald war der Stärkere», sagte Hansueli Stauffer, der nach 2016 und 2021 zum dritten Mal Zweiter geworden war. «Ich muss mir nichts vorwerfen, habe alles versucht. Aber es hat einfach nicht ganz gereicht. Mit meiner Leistung bin ich sehr zufrieden und gönne Andi den Sieg.»
Kein Sieg wie erwartet
Auf ihren überlegenen Überraschungssieg angesprochen, kommentierte Anna Weinbeer: «Mich hat im Moment niemand auf der Rechnung.» Letztes Jahr sei es bei ihr überhaupt nicht gelaufen. Diese Saison habe besser begonnen. «Ich konnte sauber durchtrainieren und mein Umfeld passt perfekt. Das ist nun das Ergebnis», fasste Weinbeer zusammen. Dass sie gleich mit einer halben Stunde Vorsprung gewinne, habe sie selbst überrascht. Sie sei einfach ihr Tempo gefahren. Begonnen habe sie 2019 mit Mountainbiken. Inzwischen trainiere sie je nach Woche 15 bis 20 Stunden neben ihrem 80- bis 90-Prozent-Büro-Job. Bereits vor einem Monat hat die 30-Jährige mit ihrem Sieg am Black Forest Ultra Marathon im deutschen Kirchzarten von sich reden gemacht – mit elf und mehr Minuten Vorsprung auf die versammelte Marathon-Elite. Da sei sie allerdings noch als Hobbyfahrerin gestartet. Eine Rennlizenz besitze sie erst seit zwei Wochen, so Weinbeer. Als nächstes starte sie nächste Woche mit ihrem Lebenspartner am Swiss Epic in Graubünden.
Die zweitplatzierte Alessia Nay kam mit Spuren eines Sturzes ins Ziel. «Am Ende des Bachalp-Trails bin ich in einer Kurve auf Kies weggerutscht», erklärte die Vorjahressiegerin aus Zizers. Sie habe vermutet, dass Anna Weinbeer bergauf stark fahren werde. Aber eine halbe Stunde Vorsprung sei schon sehr viel, sagte Nay und fügte an: «Ich bin eine Weile mit Margot Moschetti zusammen gefahren, habe sie dann aber in der Abfahrt distanziert, um mit einem guten Vorsprung die Schlusssteigung zu absolvieren.»
Kein Rennglück hatte Schweizer Meisterin Irina Lützelschwab. Nach einem Kettenriss «im Feld» gab sie das Rennen auf. Damit übernimmt Alessia Nay das Bike Marathon Classics-Leadertrikot.
Resultate / Classics-Wertung:
Männer (80 km): 1. Andreas Seewald (De) 4:25:06. 2. Hansueli Stauffer (Sigriswil) 2:20. 3. Alexandre Balmer (La Chaux-de-Fonds) 4:27. 4. Frans Claes (Be) 6:34. 5. Fadri Barandun (Samedan) 9:06. 6. Martin Fanger (Kägiswil) 9:49. 7. Urs Huber (Mettmenstetten) 12:34. 8. Fabian Heinzer (Stans) 17:32. 9. Micha Klötzli (Tramelan) 20:33. 10. Pascal Kiser (Giswil) 32:18.
Frauen (80 km): 1. Anna Weinbeer (Basel) 5:14:47. 2. Alessia Nay (Zizers) 33:51. 3. Margot Moschetti (Fr) 38:58. 4. Isabell Fischer (De) 1:29:19. 5. Carmen Kohler (Rickenbach) 1:33:03. 6. Birgit Bless (Seewis Dorf) 1:38:12.
Die 5 Läufe der Bike Marathon Classics
#1 Raid Evolénard FMV, Sonntag, 15. Juni 2025, Evolène
Sieger/Leader: Andreas Seewald (De)/Irina Lützelschwab
#2 Summer Bike, 14. Juli 2024, Château-d`Oex (SM)
Schweizer Meister: Casey South/Irina Lützelschwab
Leader: Hansueli Stauffer/Irina Lützelschwab
#3 Eiger Bike Challenge, Samstag, 10. August 2024, Grindelwald
Sieger: Andreas Seewald (De)/Anna Weinbeer
Leader: Hansueli Stauffer/Alessia Nay
#4 Grand Raid BCVS, Samstag, 24. August 2024, Verbier – Grimentz (WM)
#5 BikeSide MTB-Festival, Sonntag, 22. September 2024, Einsiedeln