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Bericht
1. Lauf Bike Marathon Classics
Raid Evolenard, Evolène
Sonntag, 9. Juni 2024

Andreas Seewald pulverisiert Streckenrekord am Raid Evolenard FMV

Mit dem deutschen Meister Andreas Seewald und Marathon-Weltcup-Leaderin Vera Looser haben die beiden Favoriten den Raid Evolenard gewonnen. Seewald, der auf der Strecke 2021 bereits Europameister geworden war, unterbot bei seiner Siegfahrt den Streckenrekord von Johann Tschopp von 2015 um 4:53 Minuten und holte sich eine Prämie von Fr. 4000.-.

Die Rennverläufe der beiden Sieger waren indes nicht identisch. Während sich Andreas Seewald bereits in der ersten Steigung zu «Chalet vieux» absetzte und seinen Vorsprung auf die ersten Verfolger kontinuierlich bis auf über zehn Minuten ausbaute, musste Vera Looser zunächst beissen. Die deutsche Marathon-Meisterin Tanja Priller hatte mit ihrer frühen Tempovorlage ein Spitzentrio ausgelöst, in dem Looser nicht vertreten war. Während Priller jedoch fürs Tempoforcing büsste und im Laufe des Rennens auf den achten Platz zurückfiel, fand Looser immer besser ins Rennen und gewann schliesslich mit knapp sechs Minuten Vorsprung auf die Französin Margot Moschetti und die Schweizermeisterin Irina Lützelschwab. Bei den Männern erreichte Vorjahressieger Martin Fanger den zweiten Platz vor dem Bündner Fadri Barandun, der in der Schlussabfahrt noch stürzte.

«Ich konnte von meiner Erfahrung profitieren, da ich die Strecke ja von der Europameisterschaft 2021 kannte und meine Kräfte entsprechen einteilen», erklärte Seewald im Ziel. Allerdings hatte er gehofft, dass er nicht das ganze Rennen alleine fahren muss. «Dass ich so früh absetzen konnte, hat mich überrascht, sagte der Ex-Weltmeister und Grand-Raid-Streckenrekordhalter, der bereits am Dienstag angereist war, um auf der Strecke zu trainieren. «Ich verbinde nur gute Erinnerungen mit Evolène, auch im Zusammenhang mit dem Grand Raid. Ab hier geht`s mir gut. Denn ab hier beginnt`s auch am Grand Raid so richtig zu steigen und das sagt mir zu», so Seewald.

Ratloser Vorjahressieger Martin Fanger

Auf den Rückstand von zehn Minuten angesprochen, fehlte dem zweitplatzierten Martin Fanger zunächst die Worte. Dann sagte er: «Mitte Rennen habe ich tatsächlich innerlich geflucht, weil der Rückstand zu Seewald immer grösser wurde und ich keinen Stich hatte. Zu Beginn versuchte ich noch dranzubleiben, merkte aber bald, dass ich schlicht nicht konnte. Es war wie David gegen Goliath - mit dem besseren Ausgang für Goliath.» Sehr zufrieden zeigte sich Fadri Barandun, der erstmals einen Podesplatz am Raid Evolenard erreichte. Nur der Sturz in der Schlussabfahrt wäre nicht nötig gewesen, erklärte der Bündner. Einen kurzen Moment nicht aufgepasst – und schon sei das Vorderrad weggerutscht und er sei unsanft auf dem Boden gelandet.

Es sei gut gewesen, das hohe Tempo zu Beginn des Rennens nicht mitzugehen, sagte Vera Looser. «Ich wusste, dass ich das nicht 3000 Höhenmeter durchhalten kann. Und ich wusste auch, dass es die anderen, die vorne fuhren, es auch nicht können», erklärte Looser mit einem Schmunzeln. An Ende der ersten Steigung bei L`Etoile war sie wieder bei der Spitzengruppe. «Von da an fuhr ich meinen eigenen Rhythmus.»

«Das Training mit Arnaud Rapillard auf der Strecke hat sich ausgezahlt», sagte die zweitplatzierte Margot Moschetti. An der Europameisterschaft 2021 sei sie auf dem zweiten Streckenteil in der Steigung zu «La Forclaz» noch fürchterlich «eingegangen». Diesmal habe sie ihre Kräfte klüger eingeteilt und sei sehr zufrieden mit dem Resultat.
Weniger glücklich wirkte Schweizermeisterin Irina Lützelschwab, der auf der harten Strecke die Kraft fehlte. Sie sagte: «Am Weltcup in Nove Mesto wurde ich krank. Davon habe ich mich noch nicht restlos erholt. Der Raid Evolenard mit seinen Steigungen ist nicht das ideale Terrain, um die Form aufzubauen. Vor allem, wenn gleich zu Beginn auch noch so schnell gefahren wird wie heute.»

Eine positive Bilanz zog OK-Präsident Stéphane Chevrier: «Wir hatten einmal mehr Wetterglück. Das hat sich positiv auf die Teilnehmerzahlen ausgewirkt. Mit 635 Bikerinnen und Bikern hatten wir zehn Prozent mehr Beteiligung als im Vorjahr, als es brütend heiss war.»

Der nächste Lauf der Bike Marathon Classics findet am 14. Juli am Summer Bike Marthon in Chateau d`Oex statt.

Resultate
Männner (62 km): 1. Andreas Seewald (De) 3:05:37; 2. Martin Fanger (Genf) 3:15:44; 3. Fadri Barandun (Samedan) 3:17:23; 4. Urs Huber (Mettmenstetten) 3:20:40; 5. Andrin Beeli (Sagogn) 3:21:33; 6. Pierre Billaud (Fr) 3:22:17; 7. Micha Klötzli (Tramelan) 3:24:45; 8. Fabian Heinzer (Stans) 3:27:01; 9. Roger Jenni (Jenaz) 3:29:17; 10. Tobias Lüthi (Walliswil) 3:36:11.

Frauen (62 km): 1. Vera Looser (Nam) 3:55:44 2. Margot Moschetti (FR) 4:01:06; 3. Irina Lützelschwab (Wallbach) 4:15:28; 4. Alessia Nay (Zizers) 4:17:00; 5. Janina Wüst (Lupfig) 4:22:58; 6. Pauline Roy (Neuchatel) 4:26:05; 7. Carmen Kohler (Diemtigen) 4:27:17; 8. Tanja Priller (De) 4:28:38; 9. Alexandra Zürcher (Latterbach) 4:30:42; 10. Stefanie Zahno (Bürchen);

Die 5 Läufe der Bike Marathon Classics
#1 Raid Evolénard FMV, Sonntag, 9. Juni 2024, Evolène
Sieger/Leader: Andreas Seewald (De)/Vera Looser (Nam)
#2 Summer Bike, 14. Juli 2024, Château-d`Oex
#3 Eiger Bike Challenge, Samstag, 10. August 2024, Grindelwald
#4 Grand Raid BCVS, Samstag, 24. August 2024, Verbier – Grimentz
#5 BikeSide MTB-Festival, Sonntag, 22. September 2024, Einsiedeln